Mar 15, 2025

Motivation in unsicheren Zeiten: Warum Geld nicht die langfristige Lösung ist

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Die Arbeitswelt befindet sich in einem ständigen Wandel, und gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten zeigt sich, welche Unternehmen wirklich verstanden haben, wie Motivation funktioniert. Während viele Firmen bei schlechter Auftragslage oder Rezession reflexartig auf monetäre Anreize setzen, um Leistung und Loyalität der Mitarbeitenden zu sichern, stellt sich die Frage: Funktioniert das wirklich?
Die Antwort ist: Ja, aber nur kurzfristig. Langfristige Motivation entsteht nicht durch Geld, sondern durch tiefere psychologische Mechanismen. Unternehmen, die das ignorieren, werden früher oder später mit Fluktuation, sinkender Produktivität und Unzufriedenheit kämpfen.

Warum Geld nur ein kurzfristiger Motivator ist

Es gibt ein weit verbreitetes Missverständnis, dass höhere Gehälter oder Boni die Leistung dauerhaft steigern. Die Realität sieht anders aus.
Die Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg zeigt, dass Geld zu den sogenannten Hygienefaktoren gehört. Ein angemessenes Gehalt verhindert Unzufriedenheit, sorgt aber nicht automatisch für mehr Engagement oder bessere Leistung. Sobald ein gewisses Niveau erreicht ist, wird die monetäre Motivation zur Selbstverständlichkeit und verliert ihre Wirkung.
Ein Beispiel: Ein Mitarbeitender erhält eine Gehaltserhöhung. Anfangs ist er motivierter und fühlt sich wertgeschätzt, doch nach wenigen Monaten ist dieses neue Gehalt das „neue Normal“ und die ursprüngliche Motivation verpufft. Es braucht dann eine neue Erhöhung oder einen Bonus, um denselben Effekt wieder zu erzielen. Das ist keine nachhaltige Strategie. Während einer Rezession wird dieses Problem noch deutlicher. Unternehmen können sich oft keine großen Gehaltserhöhungen leisten. Wenn dann die gesamte Motivation auf finanziellen Anreizen basiert, geraten sie in eine Sackgasse. Die eigentliche Frage ist also, was hält Menschen wirklich in einem Unternehmen?

Intrinsische vs. extrinsische Motivation

Daniel Pink beschreibt in seinem Buch Drive, dass langfristige Motivation vor allem aus drei Faktoren besteht:

  • Autonomie: Die Möglichkeit, selbstbestimmt zu arbeiten
  • Mastery: Die Chance, sich weiterzuentwickeln und besser zu werden
  • Purpose: Das Gefühl, an etwas Sinnvollem zu arbeiten

Diese Faktoren übertrumpfen finanzielle Anreize, sobald ein gewisses Gehaltsniveau erreicht ist. Menschen wollen nicht nur „mehr Geld“, sondern bedeutsame Arbeit, Entwicklungsmöglichkeiten und ein unterstützendes Umfeld.

Die Rolle von Rezessionen in der Mitarbeitermotivation

Wirtschaftliche Unsicherheiten führen dazu, dass viele Unternehmen Maßnahmen ergreifen, die oft kontraproduktiv sind. Dazu gehören:

  • Einschnitte bei Weiterbildungen und Entwicklungsmöglichkeiten
  • Erhöhte Kontrolle und Micromanagement
  • Unsicherheiten bei langfristigen Perspektiven

Diese Maßnahmen lösen das Problem nicht, sondern verstärken es. Angst und Unsicherheit sind keine guten Motivatoren. Wenn Mitarbeitende sich nicht mehr sicher fühlen oder keine Perspektiven sehen, beginnen sie, sich nach Alternativen umzusehen, selbst in Krisenzeiten.
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Phasen müssen Unternehmen in nicht-finanzielle Motivatoren investieren. Das bedeutet: Transparente Kommunikation, klare Perspektiven, flexible Arbeitsmodelle und Investitionen in die Weiterentwicklung der Mitarbeitenden.

Was Unternehmen stattdessen tun sollten

Anstatt ausschließlich auf finanzielle Anreize zu setzen, sollten Unternehmen nachhaltige Strategien verfolgen:

Transparenz und Sicherheit schaffen

Besonders in Krisenzeiten ist offene und ehrliche Kommunikation entscheidend. Mitarbeitende müssen wissen, wie die wirtschaftliche Lage aussieht und welche Maßnahmen geplant sind. Unsicherheit führt zu Demotivation und innerer Kündigung.

Wachstum ermöglichen

Unternehmen, die trotz wirtschaftlicher Herausforderungen in ihre Mitarbeitenden investieren, sichern sich langfristig deren Loyalität. Weiterbildungen, interne Entwicklungsmöglichkeiten und Mentoring-Programme sind wichtiger als einmalige Bonuszahlungen.

Kulturelle Werte stärken

Eine starke Unternehmenskultur, die auf Vertrauen, Zusammenarbeit und Wertschätzung basiert, hält Menschen im Unternehmen. Geld kann das nicht ersetzen.

Flexibilität zulassen

Die Möglichkeit, Arbeitszeit und Arbeitsort flexibel zu gestalten, ist heute ein zentraler Faktor für Motivation. Unternehmen, die darauf setzen, bleiben attraktiver als jene, die auf starre Strukturen bestehen.

Fazit: Geld alleine reicht nicht

Monetäre Anreize haben ihre Berechtigung, doch Unternehmen, die sich nur darauf verlassen, riskieren langfristige Probleme. Wirkliche Motivation entsteht nicht durch mehr Geld, sondern durch sinnvolle Arbeit, Entwicklungsmöglichkeiten und eine starke Unternehmenskultur.
Besonders in wirtschaftlich unsicheren Zeiten zeigt sich, welche Unternehmen das verstanden haben und welche nicht.
Welche Maßnahmen nutzt dein Unternehmen, um langfristige Motivation zu fördern?

• Herzberg, F. (1968). One More Time: How Do You Motivate Employees? Harvard Business Review. • Pink, D. H. (2009). Drive: The Surprising Truth About What Motivates Us. Riverhead Books. • Edmondson, A. (2019). The Fearless Organization: Creating Psychological Safety in the Workplace for Learning, Innovation, and Growth. Wiley. • Gallup (2022). State of the Global Workplace Report. • McKinsey & Company (2023). The Future of Work Report.